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Kurzinformationen
»Wir sprechen von ›Geisteskrankheit‹ wenn wir sehen, dass Jemand gar keine Raison annehmen will und sich fest auf seinen Instinkt verlässt – ... aber wir können ja objektiv überhaupt keine Geistesäußerung abschätzen, wir können von den Geisteszuständen unserer Nebenmenschen nur sagen: dass sie anders sind als unsere, und dass sie mit dem sozialen und Kulturleben unsrer Zeit sich nicht vertragen.« Oskar Panizza
Vom Irrenarzt, Schriftsteller und Häftling zum Antipsychiater, Verleger und entmündigten Geisteskranken – kenntnisreich und mit vielen Detailinformationen zeichnet diese wissenschaftliche Biographie Oskar Panizzas Lebensweg nach: Noch während seiner Assistenzarztzeit nahm Panizza erste Symptome einer Geisteskrankheit bei sich wahr. Um diese zu bewältigen, wandte er sich dem Schreiben zu. Für sein bekanntestes Werk, Das Liebeskonzil, wurde Panizza mit einem Jahr Gefängnis bestraft. Die meisten seiner Werke wurden beschlagnahmt, aber durch die Diagnose »Paranoia« schloss man die Verantwortlichkeit an seinen Schriften und Handlungen aus. Die Geisteskrankheit verschlimmerte sich. Panizza hatte Sinnestäuschungen des Gehörs- und des Geruchssinns, fühlte sich vom Deutschen Kaiser verfolgt und beeinträchtigt. Er selbst beschreibt seine Krankheitszeichen ausführlich in Tagebucheinträgen. Als einer der ersten verfasste Panizza eine nahezu lückenlose Patientenautobiographie aus der Sicht des ehemaligen Psychiaters. In verschiedenen Veröffentlichungen kritisierte er die zeitgenössische Psychiatrie. Sein antipsychiatrisches Konzept stellt den Patienten in den Mittelpunkt der Irrenfürsorge. Als selbst von der Geisteskrankheit Betroffener schreibt Panizza gegen Stigmatisierungen und Gängeleien, gegen eine naturwissenschaftliche Betrachtung der Geisteskrankheit an.. Die Panizza-Biographie wendet sich nicht nur an den psychiatrisch Interessierten. Jeder, der hinter der Diagnose den Lebensweg des Betroffenen sucht, findet in Oskar Panizza einen Wegbereiter für eine Psychiatrie, die den Patienten in den Mittelpunkt stellt.
Resonanz
Burkhard Schreiber in Soziale Psychiatrie: »Oskar Panizza war Arzt, Psychiater, Schriftsteller, Verleger, Gefängnis- und letztlich Irrenhausinsasse. Jürgen Müllers kenntnisreiche und detaillierte Beschreibung seines Lebensweges befasst sich mit der Entwicklung des psychiatrisch Tätigen zum Patienten.
Stichworte: Müller
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