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Niels Bolbrinker

Fluten

Wie man wahnsinnig werden kann

DVD
Bonn 2007
ISBN 978-3-88414-454-1
24.90 € / 43.50 sFr
75 Minuten
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Der Hamburger Filmemacher Niels Bolbrinker beschreibt in seinem Film »Fluten« am Beispiel seiner Mutter die Psychose der Kriegskindergeneration – jener Menschen, die sich zeitlebens nicht als Opfer fühlen durften – und behandelt parallel die zwiespältige Psychiatriegeschichte der vergangenen 100 Jahre in Deutschland.

Niels Bolbrinker hat ganz allmählich seine Mutter verloren. Jahr für Jahr hat sie sich tiefer in ihre Krankheit zurückgezogen. Diagnose: Depression, schizo-affektive Psychose. Ihren ersten Zusammenbruch erlitt die Mutter nach dem Tod ihres ersten Mannes – und wurde mit der in den 50er Jahren üblichen Elektroschock-Methode behandelt. Nach 30 »normalen« Jahren brach die Krankheit nach dem Tod des zweiten Mannes wieder aus und steigerte sich bis zur völligen Demenz.

Bolbrinker nähert sich seiner Mutter mit persönlichen Betrachtungen, durch alte Familienfotos, Bilder aus dem kriegszerstörten Hamburg und Aufnahmen aus psychiatrischen Anstalten des vergangenen Jahrhunderts. Über die Fotos findet sie zurück zu den Ruinen ihrer Erinnerung: Wenn sie Bilder von Behandlungsmethoden mit Elektroschocks sieht – »Seelendrücker« – so nennt sie die Geräte, sind die Erinnerung und der Schmerz sofort wieder da. Über die Horrorjahre des Krieges kann sie immer noch nicht erzählen, sie flüchtet sich in Kinderlieder und Reime.

Fluten erzählt zwar von einem Einzelschicksal, ist aber auf eine gesamte Generation übertragbar. Es sind die Kriegskinder, die sich zeitlebens nicht als Opfer fühlen durften. Bei vielen dieser Menschen brachen die jahrzehntelang verdrängten Erfahrungen erst im Alter hervor. Der Film ist ein starkes Zeitdokument, das auch dramaturgisch ungewöhnliche Wege geht.

Resonanz

Norbert Copray in der Zeitschrift Publik-Forum: "Bolbrinker holt den Menschen hinter Zuschreibungen und Diagnosen wieder hervor. Ohne Beschönigungen und mit ausbalanciertem Gefühl für die feinen nuancen seelischen Leidens zeigt er seine Mutter in der Umgebung eines psychiatrischen Pflegeheims. [...] Der von arte, ZDF und der Stadt Hamburg geförderte Film bekam 2005 einen Preis der evangelischen Kirche. Er ist ein wichtiges Zeugnis für die Würde des Menschen und sein Recht auf Zuwendung und Hilfe. Der Film schafft Verständnis und Nachdenklichkeit."
Publik-Forum Nr. 7/2008

Ilse Eichenbrenner: »Niels Bolbrinker erforscht die Psychiatrie-Geschichte seiner Mutter, und stößt dabei auf die Geschichte der Psychiatrie. Die dreifache Perspektive – als Sohn, Filmemacher und Rechercheur –vermittelt ein ungewöhnliches Porträt. Auf der Schnittstelle zwischen subjektiver Betroffenheit und historischer Spurensuche ist ihm mit »Fluten« ein faszinierender Film gelungen.«

W. Dönges, media-versand: »Bolbrinker geht in seinem Film »Fluten« auf Spuren- und Ursachensuche der psychischen Krankheit seiner Mutter. Was herauskommt ist ein persönlicher Film, der betroffen macht und uns erstaunliche Einblicke in die zwiespältige Psychiatriegeschichte ermöglicht. Man sollte sich dieses Werk ruhig mehrmals ansehen, denn er ist phantastisch gemacht und es sind viele Details zu entdecken.«

Zielgruppen: Aus- und Weiterbildungseinrichtungen

Schlagwörter: Psychiatriegeschichte, Psychosen, Kriegstrauma